Fake-News steht für angeblich falsche Nachrichten, die in den traditionellen und sozialen Medien verbreitet werden. Meistens steht eine politische Absicht dahinter. Präsident Barack Obama nicht in den USA geboren? Fake. Hillary Clinton wollte Assange „drohen“? Fake. Muslime zerstörten Weihnachtsbaum? Fake. 13jähriges, von Arabern in Berlin missbrauchtes russlanddeutsches Mädchen? Fake. Alles Meldungen, die sich schnell verbreiten. Und alle ideologisch oder politisch eingefärbt.

Kellyanne Conway, die amerikanische Medienberaterin von Präsident Trump, hat mit dem Begriff „alternative Fakten“, um die in der Realität haltlosen interessengefärbten Verlautbarungen ihres Chefs zu rechtfertigen, das postfaktische Zeitalter so richtig eingeläutet. Nach dem Motto – mit der Vorstellung prägen wir die Wirklichkeit. George Orwells „Newspeak“, die vereinfachte Sprache zur Untermauerung der Macht im Roman „1984“ – nota bene 1949 geschrieben, liegt ganz nahe. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat „postfaktisch“, 2004 von Ralph Keyes in seinem Buch „The Post Truth Aera“ definiert, denn auch zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

Das alles könnte nun der Unterhaltung dienen, wenn es nicht die Demokratie und den Glauben in deren Institutionen unterminieren würde. Und generell das Regelvertrauen des Menschen, das notwendig ist, um bei niedrigstem Aufwand zu leben und zu wirtschaften. Wir wissen zwar alle, dass Menschen manipulieren und lügen können, eine gesunde Skepsis mag allemal angebracht sein. Doch überhöhtes Misstrauen steigert schlicht die Kosten und reduziert die Opportunitäten.

Mittlerweile ist eine regelrechte Industrie der Fake News und deren Verbreitung entstanden. Es werden bezahlte Kampagnen geführt und Millionen investiert. Dies, um Konsumenten und Konsumentinnen von traditionellen und sozialen Medien an der Nase herumzuführen und zu beeinflussen. Trolls, Bots, Agenturen als Propagandamaschinen, auch da wird haufenweise Geld verdient.

Beschränken tut sich das Ganze nicht auf die Politik. Rufschädigende Informationen zu Produkten und Dienstleistungen, Gerüchte über Mitarbeitende, falsche Geschäftszahlen – das sind für Schweizer Organisationen die drei bedrohlichsten Formen von Falschinformation, denen sie ausgesetzt sind. Das ergab eine 2016/17 von uns durchgeführte Expertenumfrage bei 532 in der Schweiz tätigen Kommunikations- und Investor-Relations-Verantwortlichen. Als Hauptquellen von Falschinformationen gelten Konkurrenzorganisationen und die Medien.

Die Verbreitung von gefälschten Zahlen und von Gerüchten, die den Unternehmenswert beeinflussen, sind für Organisationen eine Herausforderung. Die grösste Sorge betrifft jedoch falsche Angaben zu Produkten und Dienstleistungen (66 Prozent) und die Diffamierung von Unternehmensangehörigen (52 Prozent), gefolgt von den erwähnten gefälschten Geschäftszahlen (27 Prozent). Und: 36 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten drei Jahren tatsächlich betroffen gewesen zu sein.

Was soll denn das nun Nonprofit-Organisationen angehen?

Eine ähnliche Studie zu den NPO wurde in der Tat noch nicht durchgeführt. Die Gefahrenlage dürfte aber auch hier bestehen. Angriffe auf Organisationen jeglicher Couleur, berechtigte oder unberechtigte, sind heute an der Tagesordnung. Doch was NPO noch mehr als den effektiven Angriff auf deren Integrität fürchten müssen, ist ein Anderes: Wenn Fake zum Kulturgut wird, werden gerade die Organisationen am meisten darunter leiden, deren Existenz auf Vertrauen und Glaubwürdigkeit basiert: Die Nonprofit-Organisationen.

Misstrauen als Kulturgut stärkt den Egoismus. Keine NPO wird das unberührt lassen. Natürlich scheint sich bis dahin noch niemand wirklich Gedanken darüber gemacht zu haben. Reputation aufbauen, erhalten und schützen in einer immer misstrauischeren Welt. Ja, nun heisst es, sich warm anziehen.

Prof. Rodolfo Ciucci
Dozent für Kommunikation
Fachhochschule Nordwestschweiz
Hochschule für Wirtschaft
rodolfo.ciucci@fhnw.ch

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