In der Tat – am Innerschweizer Stiftungstag wurde allerhand präsentiert und diskutiert. Dass so viele Fachleute das Bedürfnis hatten, sich am 19. Oktober im Paraplegikerzentrum in Nottwil zum Thema zu unterhalten und der grosse Saal nahezu voll war, spricht Bände. Organisationen, die auf Gelder angewiesen sind, sollten sich jetzt auf die Socken machen und professionelles Stiftungsfundraising betreiben. Die Zeit scheint gut zu sein. Nicht trotz, sondern wegen der schnellen Veränderungen und den tiefen Zinsen.

13‘000 Stiftungen mit einem Kapital von geschätzten 70 Milliarden und einem Fördervolumen von 1,5 bis 2 Milliarden Franken können einiges bewegen. Viele müssen sich aber noch aus dem Dunkeln hervorwagen und kommunizieren, wenn sie gefunden werden wollen. Denn das Dickicht ist kaum durchschaubar. Da leisten Datenbanken wie fundraiso.ch mittlerweile goldwerte Dienste. Das eine der Botschaften von Prof. Dr. Georg von Schnurrbein.

Angesichts des schnellen Wandels stellt sich für Stiftungen oft auch die Frage nach der Zweckerfüllung. Dr. h.c. Annemarie Huber-Hotz plädierte nicht nur für eine moderne Governance bei Stiftungen und eine angemessene und zeitgemässe Strategie, sondern auch dafür, die Gretchenfrage zu stellen: Braucht es uns noch, sollten wir den Stiftungszweck ändern, oder gar das Kapital auszahlen und die Stiftung auflösen?

In dieselbe Richtung sprach sich Prof. Dr. oec. Maurice Pedergnana aus, Chefökonom bei der Zugerberg Finanz. Was tun, wenn die tiefen Zinsen es verunmöglichen, bei der Erfüllung des Stiftungszwecks sinnvolle Unterstützung zu leisten? Ist es dann nicht sinnvoller für Stiftungen, eine Vermögensstrategie im Sinne von Substanzverzehr zu verfolgen, anstatt da und dort Brosamen zu verteilen?

In verschiedenen Diskussionen beim üblichen Networking und auch bei anschliessenden Gesprächen war das Thema immer wieder zu hören: Stiftungen, die möglichst schnell ihr Kapital loswerden wollen/sollten. So bietet sich gerade jetzt für viele Organisationen wohl eine gute Gelegenheit, mit der richtigen Strategie, mit der richtigen Information und mit gezielten Anfragen Unterstützung zu finden.

Prof. Rodolfo Ciucci
Dozent für Kommunikation
Fachhochschule Nordwestschweiz
Hochschule für Wirtschaft
rodolfo.ciucci@fhnw.ch

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