Schwarmfinanzierung-Bild
Eine Schwarmfinanzierungs-Kampagne auf einer Online-Spendenplattform ist kein Selbstläufer. Fundraiso.ch sagt, was zum Erfolg beim Spenden sammeln auf Crowdfunding-Plattformen beiträgt.

Das Spendenprojekt «Mini-Restaurant auf vier Rädern» von Annika Berger hat auf Crowdify bereits über 28'000 Franken Spenden eingenommen. Das Ziel von 35'000 Franken dürfte das Projekt erreichen. Die 44-jährige Annika Berger aus Pfäffikon ZH sagt: «Mir war von Anfang an klar, dass eine Spendenkampagne für mein Projekt kein Selbstläufer wird».

Erfolgsrezept: Vorarbeit, Vorarbeit, Vorarbeit
Doch was war das Erfolgsrezept von Berger, um innert weniger Wochen, so viele Spenden einzunehmen? Bei solchen Crowdfunding-Projekten tönt die Antwort oft ähnlich: «Ich habe viel Vorbereitungsarbeit geleistet.» Das ist auch im Beispiel Annika Berger der Fall. Die ehemalige LKW-Fahrerin hat eine ausführliche, professionell gestaltete Projekt-Website erstellt, ein emotionales Video gedreht und sogar ein T-Shirt produziert. Ihr Herzensprojekt hat sie zudem mit Bildern und vielen Details illustriert.

Crowdfunding-Plattformen: Kleinere Gegenleistungen bringen Erfolg
Als kleine Gegenleistung vergibt Berger den Spendern zudem Geschenke in Form eines Glas Weins oder eines Gratis-Menüs. Annika Berger sagt: «In der Vorbereitungsphase habe ich rund 40 Personen einen Prospekt zugesandt und Dutzende Flyer verteilt. Ich habe auf Facebook zudem eine bezahlte Werbekampagne für relativ wenig Geld gestartet. Die Kampagne haben rund 8500 Personen gesehen.» Wer eine Crowdfunding-Kampagne professionell plant und umsetzt, auf eigene Faust oder mit externer Hilfe, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit finanziell belohnt. Gemäss Crowdfunding-Monitor Schweiz 2019 liegt die Erfolgsquote solcher Spendenprojekte in der Schweiz bei 68 Prozent. Das ist auch im internationalen Vergleich ein sehr hoher Wert.

Durchschnittliche Spendensummen: 9500 bis 15'000 Franken
Das Projekt von Annika Berger lag in Bezug auf das Spendenziel von 35 000 Franken klar über dem Schnitt: Die durchschnittliche Summe pro Projekt belief sich gemäss HLS-Studie zwischen rund 9500 Franken («Sport und Gesundheit») und 15'000 Franken («soziale Projekte»). Von finanzieller Bedeutung sind Crowdspenden (Crowddonating) vor allem in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Dank Crowdfunding kamen im Jahr 2018 7.5 bis 8.5 Millionen Franken zusammen. Betrachtet man die Gesamtvolumen im Kulturbereich von 3 Milliarden pro Jahr und 1.85 Milliarden Franken im Spendenbereich wird klar: Die auf Crowddonating-Plattformen erzielten Spendenvolumen sind im Vergleich zu den gesamthaft erzielten Einnahmen immer noch bescheiden. Über Crowddonating-Plattformen lassen sich mit Spenden kleinere, rasch verständliche Projekte mit hoher Wahrscheinlichkeit gut finanzieren. Bei einer Crowdfunding-Kampagne gilt es aber einige Dinge zu beachten. Die folgenden Tipps helfen auf dem Weg zum eigenen, erfolgreichen Projekt.

Bernhard Bircher-Suits, FundCom AG

So gestalten Sie eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne
  • Plattform-Evaluation: Suchen Sie eine für Ihr Projekt passende Crowdfunding-Plattform mit Hilfe einem detaillierten Anforderungskatalog.
  • Zieldefinition und Budget: Legen Sie für Ihre Crowdfunding-Kampagne überprüfbare Ziele fest (Spendenziel, Anzahl Unterstützer, Anzahl Leads, etc.) und planen Sie die zur Zielerreichung nötigen Ressourcen (Budget) für die gesamte Laufzeit und darüber ein (Personalbudget, Kosten Kampagnenproduktion, etc.). Unrealistische Finanzierungsziele bzw. eine schlechte Planung bergen Frustrationspotential für alle Beteiligten. Setzen Sie Spenden-Etappenziele. Werden die Ziele verfehlt, gilt es, die Marketing-Bemühungen umgehend zu intensivieren.
  • Projektbeschrieb: Überlegen Sie, wie Sie ihr Projekt in einer kreativen, emotionalen Story präsentieren können. Gefragt ist eine authentische Geschichte mit viel Emotionen und Menschen hinter der Idee. Texte sollten kurz und verständlich sein – weniger ist oft mehr. Ein Video ist heutzutage ein Muss. Das Video sollte maximal zwei Minuten lang sein und einen packenden Einstieg sowie ein witziges Ende mit einem Spendenaufruf beinhalten.
  • Vorbereitungsphase: Produzieren Sie alle nötigen Informationsmaterialien in guter Qualität (Website, Flyer, Bilder, Grafiken, Poster, Videos), off- wie online.
  • Gegenleistungen: Planen und organisieren Sie kleinere, exklusive Gegenleistungen zur Motivation Ihrer Spender. Eine Gegenleistung kann zum Beispiel eine persönlich geschriebene Dankeskarte mit einem Give-Away sein. Die Gegenleistung sollte einen gewissen Erinnerungswert haben und der Versand unkompliziert und nicht zu teuer sein.
  • Pretest: Zeigen Sie den «fertigen» Projektbeschrieb einer Auswahl der angepeilten Zielgruppe und optimieren Sie Ihre Kampagne nochmals aufgrund der Rückmeldungen.
  • Planung: Eine gute Planung ist das A und O. Es sollte klar sein, in welcher Phase wer, was mit welchem Aufwand macht. Eine gute Finanzierungsphase läuft in der Regel zwischen 40 und 60 Tagen. Während dieser Zeit gilt es, laufend auf das Projekt aufmerksam zu machen.
  • Startzeitpunkt: Legen Sie einen passenden Startzeitpunkt im Jahr fest, an welchem Sie mit ungeteilter Aufmerksamkeit für Ihr Projekt rechnen können. Ferienzeiten sind der Regel nicht ein idealer Startzeitpunkt.
  • Startphase: In der Startphase gilt es die Aufmerksamkeit von Bekannten, Fans, Unterstützern und nach Möglichkeit auch der Medien zu gewinnen. Es gilt das Projekt auf allen Kanälen zu vermarkten mit Hilfe von E-Mails, Flyern, Social Media Posts, etc. Vor allem das persönliche Netzwerk sollte man aktivieren. Crowdfunding beginnt fast immer im eigenen Umfeld.
  • Feedbackschlaufe: Sammeln Sie über die Spenden-Plattform und auf Social Media laufend Feedbacks zum Projekt und passen Sie bei Bedarf die Projektbeschreibung an.
  • Nachbearbeitung: Falls Sie das Projekt erfolgreich finanzieren konnten, gilt es, dies zu kommunizieren und sich bei allen Unterstützern zu bedanken. Entweder mit einem kleinen Geschenk, oder falls nicht vorgesehen, zumindest mit einem möglichst individuellen Dankeschön-Text. Falls das Projekt nicht finanziert werden konnte, gilt es herauszufinden, woran es lag und wie man es beim nächsten Versuch besser machen kann.
Veröffentlicht unter Fundraising, Gastbeiträge

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