Autorin: Dr. Sonja Schüler, Studiengangleiterin der CAS Kommunikation für Nonprofit-Organisationen sowie Fundraising Management für Nonprofit-Organisationen an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten.

E-Mail: sonja.schueler@fhnw.ch

Stiftungen sind juristische Personen, die der Förderung eines von den Stiftern bestimmten Zweckes mittels eines zweckgebundenen Stiftungsvermögens dienen sollen. Im Fundraising werden Stiftungen gerade in Zeiten unsicherer ökonomischer Entwicklungsperspektiven zu zunehmend wichtigen und gefragten Förderpartnern. Stiftungs-Fundraising richtet sich darauf aus, bei ausgewählten gemeinnützigen Förderstiftungen im Rahmen von Antragsverfahren zur Umsetzung zweckbezogener Projekte Mittel aus den Erträgen des Stiftungsvermögens einzuwerben.

Eine wichtige Voraussetzung eines erfolgreichen Stiftungs-Fundraisings ist die Umsetzung eines umfassenden Fundraising-Managements. Der erste Management-Schritt ist eine Analyse der Ausgangssituation des potenziellen Antragstellers. Die Grundlage ist die Erstellung einer genauen, realistischen Budget- und Zeitplanung für das für eine Förderung vorgesehene Projekt. Zu berechnen sind Art und Umfang der benötigten Geld-, Sach- und Dienstleistungen sowie die Dauer ihres Bezugs zur Projektumsetzung bzw. zum Abschluss der für eine Förderung anvisierten Projektphase, wobei Beiträge bereits feststehender Finanzierungsquellen einzuberechnen und, wie auch möglicherweise angefragte Förderpartner und Summen, offenzulegen sind. In diesem Zusammenhang muss also klar sein, ob die zur Projektumsetzung benötigten Mittel durch eine einzelne Stiftung bereitstellbar sind oder ob ggf. mehrere Stiftungen um Mitfinanzierung ersucht werden sollen. Auch muss festgelegt werden, welche unmittelbaren Leistungen mit dem benötigten Mittelumfang zu erzielen sind und welche kurz- und längerfristigen Wirkungen des Projektes für das Projektteam, die Ressourcenbereitstellenden sowie für die Zielgruppen und evtl. grössere Gesellschaftszusammenhänge erreicht werden sollen. Daraus folgen die Festsetzung von Zielen für das Stiftungs-Fundraising sowie die Erstellung eines Fundraising-Konzepts.

Die Grundlage der anschliessenden Stiftungsrecherche ist die Klärung der Anschlussfähigkeit des Themenschwerpunkts des Projekts an existierende Fördersektoren und Themenschwerpunkte von Stiftungen (z.B. Kultur, Denkmalschutz; Wirtschaft, Entwicklungsförderung kleiner und mittlerer Unternehmen; Informatik, Entwicklung digitaler Lehrmittel und Lernmethoden etc.). Für Stiftungsrecherchen ist im Projektmanagement per se ausreichend Vorlauf-Zeit vor dem gewünschten Zeitpunkt des Projektstarts einzuplanen, zumal keine Suchplattform existiert, welche kohärent die Daten aller existierenden Stiftungen enthält und schweizweit sowie je nach Themenstellung des Projekts auch europaweit und international zahlreiche Suchplattformen nach Förderstiftungen mit passenden Stiftungszwecken zu durchsuchen sind. Um die Projekteignung jeweils so genau wie möglich zu eruieren sind Satzungen, Förderkriterien und Richtlinien (Förderbeträge, Gesuchsprozesse, zeitliche und formelle Vorgaben und Eingabetermine etc.) sowie Adressen, Ansprechpersonen und Förderbeispiele zu recherchieren und auf Vereinbarkeit mit den inhaltlichen Projektschwerpunkten, strategischen und wertebezogenen Leitlinien der Gesuchstellenden und den materiellen Zielen des Stiftungs-Fundraising zu prüfen. Es gilt, die faktischen Schwerpunkte der Fördertätigkeit, die Förderpolitik der ausgewählten Stiftungen mit ihren inhaltlichen, geographischen, zielgruppenbezogenen Schwerpunkten, geförderten Phasen der Projektentwicklung und weiteren Spezifika zu eruieren. Sind Ansprechpersonen mit telefonischen Kontaktdaten aufgeführt, so sind telefonische Rückfragen möglich und gewünscht. Zu deren Vorbereitung empfiehlt es sich, unter Bezugnahme auf ausgewählte Teilaspekte oder Schlüsselbegriffe im Stiftungszweck das eigene Projektanliegen professionell und glaubwürdig darzulegen. Im Telefongespräch lässt sich auf dieser Basis klären, ob das Projekt der faktischen, aktuellen Förderfokussierung der Stiftung entspricht, ob die Fördertätigkeit der Stiftung zum gewünschten Zeitpunkt eine Förderung in Betracht kommen lässt, welche speziellen Kriterien es bei der Antragstellung zu beachten gilt und welche Ansprechperson sich mit dem Projektgesuch befassen wird.

Umfang, Sprache und formelle Eigenheiten des späteren Gesuchs sind den Anforderungen der angefragten Stiftung anzupassen. Das Herz des späteren Förderantrags sind der Case, der überzeugend und das Stiftungsnarrativ aufgreifend die Relevanz (Handlungsbedarf, Ziele, Massnahmen, erforderliche Mittel, Kompetenz und Glaubwürdigkeit der antragstellenden Forschungseinheit) des eingegebenen Projekts verdeutlichen soll, sowie das Budget. Die Darstellung des Case in einigen Zeilen erfolgt auch im Begleitschreiben, welches kurz und engagiert die wichtigsten Inhalte des Antrags zusammenfasst. Wichtig ist dabei, die Alleinstellungsmerkmale, welche das Projekt auszeichnen, herauszuarbeiten und zu betonen, wem die Projektergebnisse zugutekommen. Die Prämissen des Gesuchs sind der Aufbau von Vertrauen und persönlichem Kontakt durch Überzeugungskraft bzgl. der Förderwürdigkeit des Projekts sowie der Kompetenz der Gesuchstellenden. Gegenstand des Gesuchs ist nicht zuletzt auch die Erwähnung vorgesehener bzw. von der Stiftung geforderter Gegenleistungen wie bestimmter Formen der Verdankung.

Im Falle der Ablehnung des Gesuchs empfiehlt sich immer die genaue Abklärung der Gründe und die Frage nach der Möglichkeit und den Auflagen einer Neueinreichung. Die Bewilligung von Gesuchen, gefolgt von einer regelmässigen Kommunikation über die Projektentwicklung im Rahmen einer vertrauensvollen Projektpartnerschaft, ist eine realistische Ausgangslage für den Erfolg künftiger neuer Gesuche. In jedem Falle erhöht ein zielgerichtetes, gut informiertes und Vertrauen aufbauendes Vorgehen die Erfolgsaussichten im Stiftungs-Fundraising.

Dr. Sonja Schüler
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Hochschule für Wirtschaft
Institute for Competitiveness and Communication ICC
Riggenbachstrasse 16
4600 Olten
sonja.schueler@fhnw.ch

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