Projektbeschrieb

1) Antragssteller – Wer wir sind:

Das Schweizerische Weisse Kreuz (SWK) ist ein gemeinnütziger und steuerbefreiter Verein, welcher sich seit fast 130 Jahren in der Präventionsarbeit engagiert. Wir setzen uns ein für tragfähige, gelingende Beziehungen & Ehen sowie einen reflektierten Umgang mit Sexualität. Konkret bedeutet dies:
  • Unsere sexualpädagogischen Fachpersonen werden gebucht für Sexualaufklärung in Schulklassen und Jugendgruppen. Damit Jugendliche mit ihren Fragen zu Liebe und Sexualität nicht allein bleiben.
  • Als Partner von Kirchgemeinden bilden wir Eltern, Lehrpersonen und Jugendleitende aus. Diese Vorbilder lernen, einen sicheren Rahmen zu schaffen, um mit Kindern und Jugendlichen positiv über Beziehung und Sexualität zu sprechen.
  • Durch Fachreferate & Seminare stärken wir Ehepaare auf ihrem gemeinsamen Weg. Wir helfen zudem Kirchgemeinden beim Aufbau von «Eheteams», indem wir lokale Mentoren ausbilden, die andere verliebte und verheiratete Paare begleiten können. Damit Ehen stark und Familien stabil werden
2) Ausgangslage – welche not uns zurzeit beschäftigt:

Aus unserer Arbeit unter Jugendlichen und deren Bezugspersonen wissen wir:
  • Jugendliche gehen heutzutage schon sehr früh und in jungem Alter Beziehungen ein.
  • Dabei fehlen ihnen oft gute Vorbilder und sichere Leitplanken.
  • Ihr früher Kontakt mit pornographischem Material, führt zu keinem guten Rollenbild von Mann und Frau.
  • Der digitale «Liebessupermarkt» im Online-Dating verspricht ihnen zahllose Möglichkeiten, erklärt aber nicht die Wurzeln gesunder, stabiler, sicherer, tragfähiger Beziehungen.
  • Nichts geht näher als Sexualität – der frühe Kontakt ohne sichere Bindung ist oftmals auch mit verletzenden Erlebnissen verbunden.
Folgen: Zerbrochene und ungesunde Beziehungen bereiten Verletzungen, welche zur Vorbelastung späterer Beziehungen und für die Tragfähigkeit von Ehen und Familien werden. Nicht verwunderlich, scheiterten 2019 in der Schweiz 40% aller Ehen. Von einer Scheidung Ihrer Eltern waren allein im Jahr 2018 12’212 Kinder betroffen. Hinzu kommt, dass alleinerziehende Eltern anfälliger sind, Sozialhilfe zu beziehen und somit den Staat mehr Geld kosten.

3) Projektziel – Wie wir dieser not begegnen möchten:
Wir sind davon überzeugt, dass soziale Bildung eine präventive Hilfestellung ist, auf dem Weg zum Erlernen, wie tragfähige Beziehungen aufgebaut und etabliert werden können.

Bisher wird «Beziehungsschulung» vom SWK erst für heiratswillige Paare in Form einer Ehevorbereitung angeboten. Die Nachfrage seitens Bezugspersonen (Lehrer & Jugendleiter), bereits präventiv in jüngeren Zielgruppen anzusetzen, ist vorhanden und soll im Projektrahmen entwickelt und ausgebaut werden.

Analog zum «twogether» Kursmaterial für erwachsene, heiratswillige Paare soll nun mit «twogether friends» ein Kursmaterial für Jugendliche (13 – 16 Jahre & 16 – 19 Jahre) entwickelt werden.

Innerhalb eines Jahres soll dieses Kurskonzept und -Material mit Hilfe externer Stiftungsgelder entwickelt und dann langfristig innerhalb des SWK als Angebot implementiert werden.

4) Perspektive: Langfristige Wirkung & Nutzen des Projekts

Kluge Köpfe schützen sich! Was fürs Fahrradfahren gilt, gilt genauso auch für Beziehungen. Wer sich frühzeitig mit dem Thema Beziehung auseinandersetzt, verringert das Risiko, unüberlegt und vorschnell etwas zu starten, dass er im Nachhinein bereut. Verletzte Menschen, verletzen Menschen. Gute Beziehungen hingegen schaffen Sicherheit und Geborgenheit. Dies sind wiederum wichtige Faktoren in der Entwicklungspsychologie eines Kindes.

Studien des Bundesamts für Statistik zeigen, dass stabile Beziehungen nachweislich die Gesundheit verbessern, glücklich machen und präventiv helfen gegen Entmutigung und Depression (2017: «Familien in der Schweiz» S. 73).

Mithilfe unseres Projekts bzw. der daraus entstehenden Kursmaterialien lernen Jugendliche…
  • …sich und ihre Persönlichkeit besser wahrzunehmen (wer und wie bin ich?)
  • …sich in Ihrem aktuellen physischen & psychischen Kontext einzuordnen (was geschieht mit mir?)
  • …sich und die eigenen Wünsche & Vorstellungen ernst zu nehmen (was will ich überhaupt?)
  • …auf dieser Basis Entscheidungen für zukünftige Beziehungen zu treffen (wer passt zu mir?
Wie genau der Erfolg / die Wirkung langfristig im Detail gemessen wird, ist derzeit noch unklar. Teil der Projektphase zwei, wird es sein, dies noch genauer zu bestimmen. Die Idee wäre, eine Art «Langzeitstudie» aufzugleisen und die Jugendlichen über mehrere Jahre zu «belgeiten» und nach ihrem Liebes- & Beziehungsleben zu befragen.

5) Einzigartigkeit: Warum es dieses Projekt braucht!

Nur zu wissen wie ein Gaspedal funktioniert, reicht allein nicht aus, um Auto fahren zu können. Der Lehrplan 21 sieht vor, Jugendliche im Bereich der Sexualaufklärung zu unterrichten. Dies scheint uns zu einseitig, da auf den Kontext (das Auto) gar nicht näher eingegangen wird. Wo zwei Menschen sich aufeinander einlassen, entsteht automatisch (auch wenn nur für kurze Zeit) eine Form von Beziehung. Darauf sollen Jugendliche vorbereitet werden! Unser Kurs ist neu- und einzigartig auf diesem Gebiet und bildet diese Thematik ganzheitlich ab.

Zudem arbeiten wir multiplikativ. Lehrpersonen erhalten durch das Webinar Zugriff auf unser Unterrichtsmaterial und können fortan selbstständig die Lektionen innerhalb ihrer Klasse durchführen. So kann dieses schweizweit und zeitgleich genutzt werden und eine breite Masse an Schülern und Schülerinnern erreicht werden.