Projektbeschrieb

OFARIN führt seit 1999 in Afghanistan (in Kabul und den Provinzen Logar und Pandschir) ein Moschee-Schulprogramm durch, das elementaren Schulunterricht (Stoff bis Klasse 3) anbietet.

Misereor förderte dieses Programm von April 2014 bis April 2017 mit 2.000.000 €. Eine dreijährige Fortsetzung der Unterstützung in gleichem Umfang lehnte Misereor ab. Begründung: „Zunehmend muss Misereor prekäre Sicherheitssituationen in einzelnen Ländern und Regionen zur Kenntnis nehmen, die leider unsere Möglichkeiten der Partnerbegleitung einschränken. Zudem sieht sich Misereor seit Jahren einer zunehmenden Zahl neuer Herausforderungen gegenüber, die Misereor nicht ignorieren kann. Andere und neue Budgetallokationen sind notwendig. Dies hat bereits vor einigen Jahren dazu geführt, dass Misereor sein Engagement in Zentralasien eingestellt hat. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass Misereor auch die Förderung langjähriger Partner beenden muss.“ Misereor gewährt OFARIN eine Abschlussförderung. Diese ermöglicht bis Ende 2017 ein Notprogramm. Knapp die Hälfte des bisherigen Unterrichts findet noch statt.
OFARIN beschäftigte bis April 40 Festangestellte und 500 Teilzeitkräfte. Unterrichtet wurden 9000 Schülerinnen und Schüler – fast alle aus einkommensschwachen Familien. Die Zukunft unserer Kollegen und Schüler bereitet uns große Sorgen.

OFARINs Programm wird stark nachgefragt. Die öffentlichen Schulen Afghanistans leisten nichts. Die meisten Abiturienten verstehen schriftliche Texte nicht. Subtraktionen gelingen allenfalls für einstellige Zahlen. OFARINs Schüler können nach einem guten Jahr schreiben und mit Verständnis lesen.
Der Unterricht findet in Moscheen und Privatwohnungen statt. Er dauert täglich anderthalb Stunden. Davon entfallen 30 Minuten auf Religionsunterricht, den das Ministerium für Religiöse Angelegenheiten, OFARINs Partnerministerium, verantwortet.

Im ersten Unterrichtsjahr wird das Lesen und Schreiben erlernt. Danach beginnt der Mathematikunterricht. Geometrische Formen werden vorgestellt und die Grundrechenarten innerhalb der natürlichen Zahlen erlernt. Knifflige Anwendungen machen den Schülern Spaß. Der Unterricht stützt sich auf schriftliches Material, das OFARIN ausgearbeitet hat.
Den Unterricht kontrollieren Trainer. Diese arbeiten auch Unterrichtsmaterial aus und bereiten Lehrer in Seminaren auf neue Unterrichtsgebiete vor. Trainer und Material sind die Grundlage für den Erfolg des Unterrichts.

2015 kamen viele Afghanen nach Europa. Man sah ein, dass man den Menschen in ihrem Land Hoffnungen und Perspektiven bieten muss. OFARIN tut das.
Keine andere westliche Organisation arbeitet so eng mit Mullahs zusammen. Seit hundert Jahren versuchen Regierungen, Afghanistan von oben herab zu modernisieren. Bevölkerung und islamische Geistlichkeit sahen die kulturelle Identität bedroht. Das hat viel Blut gekostet und gezeigt: In Afghanistan ist Fortentwicklung nur in Kooperation mit den Mullahs möglich. OFARIN arbeitet mit Moscheen und Religionsministerium freundschaftlich zusammen. Das fördert die innerafghanische Aussöhnung und die Verständigung zwischen den Kulturen.

Um das Programm fortführen zu können, braucht OFARIN ein Büro mit Buchhaltern, Wächtern, Fahrern, und mit Trainern, die Unterrichtsmaterial ausarbeiten, Seminare abhalten und den Unterricht besuchen. Die Kosten dieses Büros betragen jährlich 160.000 €. Für den Unterricht von 17 Schulklassen (350 Schüler) sind je ein weiterer Trainer sowie Putzer, Lagerverwalter, Unterrichts- und Heizmaterial nötig. Das kostet jährlich 20.000 €.
OFARIN sucht einen Hauptpartner, der das lebenswichtige Büro, und Unterricht für 2500 Schüler zunächst drei Jahre lang finanziert. Das kostete jährlich 300.000 €. Um Unterstützung für weiteren Unterricht bemüht sich OFARIN gesondert.