Projektbeschrieb

1. Präambel
Velafrica sammelt seit 1993 ausgemusterte Velos und verschifft sie heute zu aktuell 12 Partnern in Gambia, Ghana, Tansania, Eritrea, Madagaskar, der Elfenbeinküste und Burkina Faso. 2017 gelangten 52 Container mit über 24'000 aufbereiteten und fahrtüchtigen Schweizer Velos nach Afrika. Im Mai 2018 wird das 200'000 Velos verschifft. Aufgrund der Tatsache, dass ein Velo von bis zu vier Personen benutzt wird, können wir von rund einer halben Million Menschen ausgehen, welche von dem Nutzen der Recycling-Velos profitieren können. Unser Ansatz schafft Wirkung entlang der ganzen Wertschöpfungskette, von der Schweiz bis nach Afrika. In der Schweiz arbeitet Velafrica mit sozialen Einrichtungen zusammen, die Flüchtlinge, Erwerbslose und Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen beschäftigen und erfolgreich zurück in den Arbeitsmarkt begleiten. Die Frauen und Männer in den Recycling-Werkstätten setzen die Velos instand und bereiten sie für den Transport vor. Das Schweizer Netzwerk von Velafrica umfasst aktuell 30 Partnerwerkstätten aus dem sozialen Bereich. Diese Organisationen arbeiten im Bereich der Arbeitsintegration, der Migration oder auch im Strafvollzug. Seit 2015 arbeitet Velafrica in seiner Exportwerkstatt mit Flüchtlingen.

Die Velos werden zu lokalen Partnern in Gambia, Ghana, Tansania, Madagaskar, der Elfenbeinküste und Burkina Faso exportiert. Vor Ort fördert Velafrica nebst der Velo-Mobilität den Aufbau von Werkstätten und bildet Mechanikerinnen und Mechaniker aus. Es entstehen Arbeitsplätze in der Velomontage, Reparatur und im Vertrieb. Als erschwingliche und robuste Transportmittel und Lastenfahrzeuge fördern die Recycling-Velos die regionale Entwicklung nachhaltig. Die Velos verbessern den Zugang zu Schulen, Gesundheitszentren, Spitälern und ermöglichen die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten. Insbesondere für Frauen, welche täglich lange Wege zurücklegen, um beispielsweise Wasser oder Feuerholz zu besorgen, stellen die Velos eine grosse Erleichterung dar.

Die Wichtigkeit der Velomobilität im Kontext der Armutsreduktion in Entwicklungsländern wird auch in den nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO ersichtlich. Diese verabschiedete in ihrer Generalversammlung 2015 die Agenda 2030 mit 17 sogenannten Sustainable Development Goals (SGDs). Welchen wichtigen Beitrag die Velomobilität zur Erreichung dieser Ziele leistet, hat die «European Cyclist Federation» detailliert analysiert. Velafrica baut sein Impakt-Berichtwesen fortlaufend um, damit in naher Zukunft die Wirkungen von Velafrica entlang der SDGs veröffentlicht werden können. Trotz dem jährlichen Wachstum von rund 13% zusätzlichen Velos stellen die Veloexporte nur einen Tropfen auf einen heissen Stein dar. Für rund 80% der Bevölkerung im südlichen Afrika – hauptsächlich in ländlichen Regionen – ist der Fussmarsch weiterhin die häufigste Fortbewegungsmöglichkeit. Es besteht also die Notwendigkeit und das Potential, die Exportzahl substantiell zu steigern. Es ist das Hauptziel von Velafrica durch den Zugang zu Velos und Berufsbildung einen Beitrag zur Armutsreduktion zu leisten. Das Mittel dazu sind soziale Velounternehmen, die Velafrica zusammen mit lokalen Partnern in Afrika aufbaut. Dieser strategischen Ausrichtung liegt auch das hier vorgestellte Projekt «Faso Vélo» zugrunde. Das Pilotprogramm Velo-Hubs in Sub-Sahara-Afrika als Skalierungsgrundlage Um die Exportzahl und somit auch die sozialen und wirtschaftlichen Wirkungen in Afrika mit den Velos zu erhöhen, wurde das Pilotprogramm «Social Bicycle Centers (Hubs)» geplant und aufgebaut. Das Ziel des Programms ist es, die
Grundlage für die Skalierung des Ansatzes von Velafrica zu ermöglichen und so ein innovatives Modell in Afrika zu haben, welches Jobs, Bildung und Velo-Mobilität ermöglicht. Die Velo-Hubs funktionieren als eigenständige Betriebe. Sie sind Montagebetrieb, Verteilzentrum, Velo-Dienstleister und Berufsbildungsorte zugleich.

In einer ersten Pilotphase wurde mit Unterstützung von verschiedenen Stiftungen seit 2015 auf lokale Partner in Tansania fokussiert, um das Modell zu testen und die benötigten Daten zu sammeln. Die Analyse beinhaltet eine breite Palette von quantitativen und qualitativen Daten aus dem Bereich Betriebswirtschaft, Märkte, sozio- ökonomische Erfolgsfaktoren, sowie auch benötigte Kompetenzen und Fähigkeiten. Die Resultate aus Tansania sind positiv und zeigen, dass es lokale, initiative Entrepreneure gibt, welche wirtschaftliche und soziale Ziele verbinden können und eine Vision erreichen wollen. Ein positives ökonomisches Umfeld, Tradition und Kultur hinsichtlich der Velonutzung sind weitere Faktoren, die eine erfolgreiche und nachhaltige Lancierung eines Velozentrums begünstigen. Aufgrund der Erfahrungen in Tansania ist nun die Ausweitung und Implementierung des Modells in Burkina Faso geplant.

2. Relevanz eines Velo-Hubs in Burkina Faso
Velafrica ist seit 1999 in Burkina Faso aktiv. Die Nachfrage nach Velos für Burkina Faso steigt stetig, jedoch reichen die aktuellen Strukturen, wie auch die Kompetenzen nicht mehr aus, um die steigende Nachfrage nach qualitativ guten Velos mit einem sozial unternehmerischen Ansatz inklusive Berufsbildung umzusetzen. Dies das Resultat eines ersten strategischen Workshops mit den lokalen Partnern im November 2016. Daraus resultierte ein gemeinsamer Wille, den Aufbau eines Velo-Hub Modells nach Vorbild aus Tansania zu realisieren.

Der Velo-Hub in Burkina Faso soll als innovatives Modell wirtschaftliche mit sozialen Zielen verbinden. Es ist das gemeinsame Ziel von Velafrica und der lokalen Organisationseinheit, ein Velo-Hub als finanziell eigenständiges soziales Unternehmen aufzubauen. Der Hub soll Verkaufs- und Vertriebspunkt, Produktionsstätte und Serviceanbieter sein. Das Kompetenzzentrum für Velomobilität soll die Berufsbildung im Bereich Velomechanik stärken und Ausbildungsplätze anbieten. Ziel ist es, durch eine mechanische Grundbildung mit zusätzlichen Modulen (z.B. Französisch, Buchhaltung oder Informatik), die Beschäftigungschancen der Jugendlichen zu stärken. Auch hier wird die Kooperation mit Behörden und bereits bestehenden Bildungsansätzen angestrebt.

3. Ziele von Fasovelo
Folgende 3 Hauptziele werden verfolgt:
 Aufbau eines zentralen Veloproduktionszentrums als eigenständige Social Enterprise. Der Fokus liegt auf den unternehmerischen und technischen Qualitäten, um den Zugang zu Velos für eine breite Bevölkerungsschicht nachhaltig zu ermöglichen und zu gewährleisten.
 Einkommens- und Berufsbildung für junge Männer und Frauen sowie Mechaniker in Burkina Faso, um deren Beschäftigungschancen auf dem lokalen Arbeitsmarkt zu stärken.
 Das Model des Social Bicycle Hubs als Grundlage für Scaling-up soll weiter verfeinert und um weitere Komponenten ergänzt werden (zum Beispiel Testen einer Hybridfinanzierung -> Kombination von zinslosen Darlehen und Grants).

4. Ort der Umsetzung und Start
In Burkina Faso hat Velafrica aktuelle Partnerschaften mit vier KMUs und NGOs. Diese werden im neuen Hub Model integriert und in eine neue rechtliche Struktur überführt. Zusammen mit diesen Partnern wird der lokale Produktions-, Vertriebs- und Ausbildungshub aufgebaut. Der Aufbau der zentralen Vertriebsstätte ist in Ouagadougou geplant. Die Vorbereitungen haben im November 2016 in Ouagadougou im Rahmen eines ersten Strategieworkshops mit allen Partnern begonnen. Im Herbst 2017 wurde die strategischen Grundlagen vor Ort mit den Partnern entwickelt und die Grundlagen für die rechtliche Struktur erarbeitet. Faso Velo ist seit Januar 2018 offiziell als GmbH registriert und kann die Umsetzung des Projekts nun offiziell starten.

5. Zielgruppen
Velonutzende (aktuell werden pro Jahr rund 3‘700 Velos geliefert); Micro-Enterpreneurs (Personen, die dank dem Velo eine wirtschaftliche Tätigkeit starten und Einkommen schaffen können, z.B. Wasserverkäufer); Frauen und Schülerinnen (Programme de Mobilité), unsere Social Enterpreneurs vor Ort; bestehende Partner von Velafrica mit Personal (>20); Mechaniker/Ausbildner, Jugendliche in Berufsbildung.

6. Angestrebte Resultate
Es soll das Resultat dieses Projekts sein, vor Ort die Kapazitäten aufzubauen, um langfristig jährlich 10‘000 Velos in Burkina Faso zu montieren und in Umlauf bringen zu können. Der Velo-Hub soll durch die Berufsbildungsmöglichkeiten in der Velomechanik für junge Männer und Frauen (!) eine Vorreiterrolle einnehmen und zu einer renommierten und bekannten Ausbildungsstätte werden, deren Ausbildungsprogramm vom Staat anerkannt ist. Zusätzlich soll der Velo-Hub den Ruf von sehr guter Veloqualität und hoher Velokompetenz erlangen und ein Aushängeschild für die Verbreitung nachhaltiger Mobilität im Land darstellen. Durch die mögliche Zusammenarbeit mit dem lokalen Radrennsportverband kann ebenfalls die Sportförderung ein wichtiges Element spielen. Schliesslich soll der Velo-Hub als Model dienen, welches in andere Länder in West-Afrika transferiert werden kann.

7. Zeitplan der Umsetzung
Phase 1 (01.2017 –03.2018): In der ersten Phase wurde in 2 strategischen Workshops vor Ort mit den beteiligten Partnern die Grundlagen für die Organisationsform und die Ziele von Fasovelo als soziales Velounternehmen gelegt. Dokumentiert sind diese Themen in den Statuten von Fasovelo. Die offizielle Bewilligung zur operativen Tätigkeit von Fasovelo GmbH wurde von den Behörden in Burkina Faso Anfangs 2018 ausgestellt. Das Fundraising wurde im 2017 gestartet. Der aktuelle Stand der Fundraisingaktivitäten können dem Finanzierungsplan entnommen werden (siehe weiter unten).

Phase 2 (03.2017 – 07.2018): Aufbau Infrastruktur, Ausstattung Werkstatt, Capacity Building (technisches Kompetenzen, Management, Buchhaltung, Softwareschulung)

Phase 3 (07.2018 – 07.2019): Aufnahme der operativen Geschäftstätigkeit von Faso Velo in der Produktion und Vertrieb der Velos, Aufbau der Vertriebskanäle, Stärkung der benötigten technischen Kompetenzen

Phase 4 (08.2019 – 06.2020): Aufbau Berufsbildungsprogramm, Ausbau Vertriebskanäle in andere Regionen, Konsolidierung

8. Verantwortlichkeiten
Grundsätzlich wird vor Ort mit den bestehenden lokalen Partnern zusammengearbeitet: Das Managementteam besteht vorerst aus einem Manager des Social Bicycle Enterprise und einer verantwortlichen Person für die Buchhaltung und Finanzen. Das Werkstattpersonal wird aus 1-2 Chefmechanikern und ca. 3 Jungmechanikern bestehen. Dazu kommt Personal für Sicherheit und Verpflegung. Die Steuerung und Koordination des Projekts bei Velafrica wird über eine 20%-Stelle als Projektkoordination Burkina Faso, sowie den Programmleiter Afrika garantiert.

9. Synergien mit anderen Projekten und Erfahrungen
Wie bereits erwähnt, werden alle bisherigen lokalen Velafrica-Partner in das Projekt involviert sein. Die formal-rechtliche Struktur von „FasoVelo“ ist eine GmbH. Velafrica ist als Teilhaberin Mitgründerin. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt in Tanzania fliesst direkt in das Projekt in Burkina Faso ein. In Burkina Faso sind wir im Bereich der Berufsbildung in einem Netzwerk von Organisationen, die in der Berufsbildung tätig sind: Swisscontact, Helvetas sowie die DEZA und lokale Bildungsbehörden.

10. Monitoring
Das Monitoringsystem wird durch Berichte, Besuche, Datensammlung und Finanzaudit gewährleistet. Grundsätzlich finden formative Fortschrittsevaluationen jährlich bei den Partnerbesuchen statt. Im Partnerschaftsvertrag werden die Leistungen der Partner genau definiert. Velafrica veröffentlicht jedes Jahr einen Social Impakt Report, der Daten zur aktuellen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Entwicklung der Partner beinhaltet.

Kontaktinfos
Kontakt: michel.ducommun@velafrica.ch
Webseite: velafrica.ch
Person: Michel Ducommun