Angela Greco

Originalsprache des Artikels: Deutsch

Wer ist Angela Greco: Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich gehe meiner Arbeit mit Enthusiasmus nach. Als umweltbewusste Weltbürgerin möchte ich einen Beitrag leisten, um unsere Gesellschaft inklusiver und widerstandsfähiger zu gestalten. Ich bin ein Grossstadtmensch, liebe es aber, mich in die Natur zurückzuziehen. Meine grössten Leidenschaften: klassische Musik und Kunstmusik, avantgardistisches Theater, Oper, Reisen, moderne und zeitgenössische Kunst, Literatur und Tennis.

Was waren Ihre wichtigsten Karrierestationen?

Das Erlebnis des Austauschstudiums an der UC Berkeley, das während meiner ersten Studienjahre an der Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi in Mailand stattfand, hat mich gelehrt, wie wichtig Wissen ist, und wie unabdingbar ein unabhängiges und verantwortungsbewusstes Denken, wenn man einen massgeblichen Beitrag leisten möchte. Ich bin der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik dankbar dafür, dass sie mir ein solides Wissen über die Wirtschaft der Region verschafft und mich bei der Entwicklung des theoretischen Rahmens für meine Feldforschung über den Selbstmord der Guarani-Kaiowá-Kinder in Mato Grosso do Sul unterstützt hat. Als Doktorandin in Wirtschaftssoziologie bin ich dann in die akademische Welt Nordamerikas zurückgekehrt und konnte mich an der York University den eher intellektuellen Aspekten der universitären Forschung und ihrer direkten Umsetzung in Wirtschaft und Gesellschaft widmen. In diesem Zusammenhang begann ich, mich mit Social Impact, ethischem Finanzwesen und Sozialwirtschaft zu befassen, und zwar nicht mehr nur als Wissenschaftlerin, sondern als Beraterin.

Heute sind Sie Leiterin des Bereichs Philanthropie bei der Fondazione Conservatorio della Svizzera Italiana. Was genau gehört zu Ihren Aufgaben und an welchen Projekten arbeiten Sie?

Ich bin dafür verantwortlich, das philanthropische Potenzial der Musikhochschule der italienischen Schweiz (Conservatorio della Svizzera Italiana) zu katalysieren. Meine externen Ansprechpartner sind physische Personen (hauptsächlich Grossspender), Drittinstitutionen (hauptsächlich Förderstiftungen) und Unternehmen. Jeder Ansprechpartner weist Besonderheiten in Bezug auf Ansprüche, Prioritäten usw. auf, und ich bemühe mich darum, unsere strategische Planung in optimalen Einklang mit den jeweiligen spezifischen Interessen zu bringen. Dieser Ansatz garantiert ein hohes Mass an Nachhaltigkeit und beiderseitiger Zufriedenheit, da sowohl unsere Stiftung als auch jeder Ansprechpartner innerhalb der Partnerschaft die Elemente findet, die den eigenen institutionellen Bedürfnissen entsprechen. So arbeiten zum Beispiel zahlreiche Institutionen und verschiedene Mäzene mit uns zusammen, um die finanzielle Unterstützung der Ausbildung unserer Studierenden zu gewährleisten. Dies geschieht über unsere Solidaritätsfonds (einer wurde zu Beginn der Pandemie eingerichtet, der andere unterstützt Studierende und Kinder, die infolge des Ukraine-Krieges ins Tessin geflüchtet sind), durch Stipendien und neuerdings auch durch ein «Patronage Artistico» genanntes Programm (Studentenpatenschaft), bei dem ein Mäzen jeweils einen hochbegabten jungen Musiker ohne finanzielle Mittel während dessen gesamter Ausbildung an unserem Konservatorium «adoptiert und begleitet». Damit kann sich dieser ganz auf das Studium und die Vorbereitung auf renommierte internationale Wettbewerbe konzentrieren, ohne auf Gelegenheitsjobs zur Finanzierung des Studiums angewiesen zu sein. Andere Stakeholder unterstützen uns dabei, den Instrumentenbestand des Konservatoriums instand zu halten, zu verwalten und weiterzuentwickeln. Schliesslich setzt sich die Philanthropie-Abteilung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene aktiv für die Stärkung und Entwicklung der philanthropischen Unterstützung des innovativen Projekts «La Città della Musica» (Die Stadt der Musik) ein, das sich der musikalischen Ausbildung, Forschung und Produktion widmet und in dessen Rahmen unsere Stiftung zusammen mit dem Orchestra della Svizzera italiana, dem Ensemble I Barocchisti und der Phonothek einen neuen Sitz erhält. Ziel des Projekts ist es, die Zusammenarbeit zwischen diesen Organisationen und die Synergien mit der lokalen Gemeinschaft zu fördern und die Musikkultur und ihre Auswirkungen in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht immer weiter zu verbreiten.

Welche Eigenschaften machen Ihrer Meinung nach eine Förderstiftung zu einem guten Partner für einen Begünstigten? Welche Art von Unterstützung sollte sie leisten und wie?

Aus systemischer Sicht ist eine fördernde Stiftung ein guter Partner für den Begünstigten, wenn sie den Kontext, in dem sie tätig ist, umfassend kennt und die gesellschaftlichen Auswirkungen der Partnerschaften, an denen sie beteiligt ist, optimieren möchte. In einem solchen Kontext gelingt es der Förderstiftung, verlässliche und innovative Partner auszuwählen, mit denen sie ihre festgelegten Ziele erreichen kann. Auf diese Weise können sowohl die fördernde Stiftung als auch die Begünstigten ihre jeweilige institutionelle Entwicklung stärken und, wenn möglich, gemeinsam das System, in dem sie tätig sind, erneuern.
Wir haben in dieser Hinsicht signifikante Erfahrungen gemacht. Gerade die Zusammenarbeit mit den Stiftungen hat es uns beispielsweise ermöglicht, den bereits erwähnten Solidaritätsfonds ins Leben zu rufen und innerhalb von zwei Jahren mehr als 550.000 CHF aufzubringen, um so die Auswirkungen der Pandemie auf die finanzielle Lage mancher unserer Studierenden abzufangen.

Was macht hingegen einen Mäzen zu einem «guten Mäzen»?

Im Gegensatz zur Förderstiftung wird der Mäzen auch von der Subjektivität seiner Emotionen, Wünsche, Erwartungen und eventuellen früheren Erfahrungen geleitet. Der «gute Mäzen» ist in der Lage, ein Gleichgewicht zwischen seiner eigenen Subjektivität und den Zielen des Projekts, das er unterstützen möchte, zu schaffen. Netzwerke zwischen Philanthropen sind daher massgeblich, um dieses individuelle Gleichgewicht im Lauf der Zeit systemisch und nachhaltig zu gestalten.
Daher organisiert die Philanthropie-Abteilung am 20. Oktober 2022 das erste Forum der strategischen Philanthropie für die Künste, mit UBS als Hauptpartner. Ziel des Forums ist es, die bedeutendsten nationalen und internationalen Projekte mit verantwortungsvollen, visionären und erfolgreichen Synergien zu präsentieren, die nachhaltige Lösungen für sozioökonomische und künstlerische Probleme gefunden haben und eine dauerhafte Verbesserung bewirken konnten. Ein Tag hinter verschlossenen Türen, zu dem einige der profiliertesten schweizerischen und internationalen Philanthropen eingeladen werden, um gemeinsam zu reflektieren und Erfolgsmethoden auszutauschen.

Welche Bedeutung kommt Ihrer Meinung nach der Praxis zu, einen Abschlussbericht über die Auswirkungen von geförderten Projekten zu verfassen?

Die Wirkungskontrolle nimmt an Bedeutung zu, und damit ist die Erstellung eines umfassenden Berichts in meinen Augen ein unverzichtbares Element für eine optimale Zusammenarbeit mit dem Förderpartner, darüber hinaus aber auch eine wertvolle Massnahme zur Selbstkontrolle.

Das Gespräch führte Dr. Dr. Elisa Bortoluzzi Dubach. Sie ist Stiftungs- und Sponsoringberaterin, Autorin u. a. von «Stiftungen- Der Leitfaden für Antragsteller» sowie Dozentin (www.elisabortoluzzi.com).

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