Die Originalsprache des Interviews ist: Deutsch

Herr Isler, Sie sind Geschäftsführer der Dr. Stephan à Porta-Stiftung. Wer war Dr. Stephan à Porta?

Stephan à Porta wurde am 24. April 1868 in Danzig geboren. Seine Eltern, Zuckerbäcker aus dem Unterengadin, waren in die Fremde gezogen und brachten es dort zu einem gewissen Wohlstand. Stephan à Porta wurde Rechtsanwalt und eröffnete in jungen Jahren eine eigene Kanzlei in Zürich. Angespornt durch den Bauboom kaufte er zusammen mit seinem Bruder 1892 einen Bauplatz in Zürich-Aussersihl und liess darauf drei Häuser erstellen, die er mit Gewinn verkaufte. Bis zum zweiten Weltkrieg erstellte Stephan à Porta einige hundert Häuser in der Stadt Zürich. Nach Ausbruch des Krieges entschloss er sich, den grössten Teil seines Privatvermögens – es handelt sich um 144 Häuser mit rund 1300 Wohnungen – in eine Stiftung einzubringen.

Welche Stiftungszwecke verfolgt die Stiftung?

In der Stiftungsurkunde vom 19. Mai 1945, die am 15. November 1945 im Handelsregister eingetragen wurde, wird der Stiftungszweck wie folgt festgelegt: "Der Zweck der Stiftung besteht darin, den Ertrag des Stiftungsvermögens wohltätigen und gemeinnützigen Institutionen in Zürich (75%) und im Kanton Graubünden (25%) zukommen zu lassen." Im Vordergrund standen und stehen auch heute noch Institutionen für Menschen am Rande der Gesellschaft. In den Statuten verfügte Stephan à Porta im Übrigen, dass die Wohnungsmieten so festzusetzen sind, dass sie gegenüber solchen von vergleichbaren Wohnungen in der Stadt Zürich noch vorteilhaft sind.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Projekte aus, die bei Ihnen eintreffen?

Zuwendungen erfolgen ausschliesslich an steuerbefreite, wohltätige gemeinnützige Institutionen, z.B. Vereine oder Stiftungen, in der Stadt Zürich und im Kanton Graubünden, die Menschen helfen und zur Verbesserung von deren Lebensqualität beitragen. Dies können beispielweise sozial und/oder gesundheitlich Benachteiligte sein, Menschen mit Beeinträchtigung, Menschen mit einer Suchtproblematik, Betagte, Asylsuchende, Migrantinnen und Migranten. Die Unterstützung von Institutionen mit kulturellen Zielsetzungen oder Privatpersonen ist nicht vorgesehen. Unterstützt werden vornehmlich Projekte, die den üblichen finanziellen Rahmen der Gesuchstellenden sprengen und von ausserordentlichem Charakter sind. Beiträge zur Deckung von Betriebsdefiziten werden dagegen in begründeten Fällen nur ausnahmsweise und einmalig gewährt.

Welchen Rat würden Sie einem Gesuchsteller geben, der mit Ihrer Stiftung zusammenarbeiten möchte?

Kommen die Projekte mehrheitlich den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt Zürich oder des Kantons Graubünden zugute und entsprechen sie dem Stiftungszweck, stehen die Chancen für eine Unterstützung sehr gut. In diesem Fall erwarten wir gerne ein kurzes, prägnantes Portrait der gesuchstellenden Institution und eine transparente Vorstellung des Projekts und der Menschen, die davon profitieren werden. Die Dr. Stephan à Porta-Stiftung legt grossen Wert darauf, dass die Zuwendung wirklich bei den Bedürftigen ankommt und ihre aktuelle Situation und/oder ihre Zukunftsaussichten nachhaltig verbessert. Grundsätzlich legen wir Wert darauf, dass längerfristige, grössere Projekte finanziell breit abgestützt sind, damit keine Abhängigkeit von einer einzigen Stiftung entsteht. Dies ist ebenfalls zu belegen.

Sie sind auch im Stiftungsrat der Fondation ZHdK, der Stiftung der Zürcher Hochschule der Künste. Welchen Zweck verfolgt die Stiftung?

Die Fondation ZHdK unterstützt gezielt vielversprechende Talente unter den Studierenden aus allen künstlerischen und gestalterischen Disziplinen der ZHdK, also Musik, Design, Fine Arts, Film, Tanz, Theater, Kunstvermittlung und Transdisziplinarität. Gefördert werden aber auch Projekte, welche für die Entwicklung der ZHdK von hoher Bedeutung sind. Mit dem Exzellenzstipendium unterstützt die Fondation ZHdK herausragende Studierende bei der Finanzierung ihres Masterstudiums an der Zürcher Hochschule der Künste. Dieses Stipendium trägt als substanzielle Förderung dazu bei, dass sich die grössten Talente ganz auf ihr Studium konzentrieren und ihr Potenzial voll entfalten können. Aus dem Corona-Solidaritätsfonds werden zudem Studierende der ZHdK unterstützt, die sich wegen Auswirkungen der Corona-Krise in einer existenziellen Notlage befinden.

Was reizt Sie besonders in Ihrer Funktion als Stiftungsrat?

Schon in der Mittelschulzeit begann ich mich für Musik und Theater zu interessieren und besuchte Konzerte und Aufführungen in verschiedenen Theatern. Beruflich habe ich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Doch die Faszination für die musischen und auch die bildenden Künste ist geblieben. Im Stiftungsrat habe ich die Möglichkeit zusammen mit gleichgesinnten Kolleginnen und Kollegen all meine Erfahrungen für die Studierenden der Künste einzubringen.
Meine grosse Sympathie gehört der ZHdK und dem Toni-Areal, habe ich mich in meiner früheren Tätigkeit bei der Zürcher Kantonalbank doch intensiv mit der Transformation des Areals von der Milchfabrik zum Hochschul-Campus befasst.

Zum Schluss: Sprechen wir über das Mäzenatentum: Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie persönlich für Mäzeninnen und Stifter, die Kunst und Kultur in Zürich nachhaltig unterstützen möchten?

Die finanziellen Verhältnisse von Stiftungen und Mäzenen sind sehr unterschiedlich. Pauschal gesehen sind meines Erachtens jedoch genügend Mittel für die nachhaltige Förderung von Kunst und Kultur vorhanden. Die Kultur- und Kunst-Szene zeichnet sich heute durch eine grosse Vielfalt aus. Laufend werden weitere herausragende Talente an den Hochschulen ausgebildet und gefördert. Projekte und Möglichkeiten für eine Unterstützung sind somit zahlreich vorhanden. Wichtig ist jedoch eine klare Strategie, was genau und in welchem Umfang unterstützt werden soll. Andernfalls ist die «Qual der Wahl» unendlich.

Das Gespräch führte Dr. Dr. Elisa Bortoluzzi Dubach. Sie ist Stiftungs- und Sponsoringberaterin, Autorin sowie Dozentin (www.elisabortoluzzi.com)

Veröffentlicht unter Förderstiftungen

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