Die reichsten Stiftungen der Schweiz

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Gemäss Swissfoundations.ch beträgt das Stiftungsvermögen der gemeinnützigen Schweizer Stiftungen kumuliert ca. 100 Milliarden Schweizer Franken. Doch wie wird dieses Vermögen gehalten und wie wurde es generiert? Im Rahmen der Recherchen für die von fundraiso.ch bewirtschaftete TOP 750er Liste, welche die wohlhabendsten Förderstiftungen seit Jahren zusammenfasst, wollen wir hier vertieft auf einige Zahlen und Hintergrundinformationen eingehen:

Die "Top 3" unter den vermögendsten Stiftungen

Als die vermögendste Förderstiftung in der Schweiz wird oft die Jacobs Stiftung genannt. Gemäss Angaben auf der Webseite verfügt diese über ein Stiftungsvermögen von 7 Milliarden Franken. Dieses Vermögen hält sie in Form verschiedener Beteiligungen, welche von der Jacobs Holding AG gehalten werden, die wiederum der Stiftung gehört. So hält die Jacobs Holding AG bspw. Beteiligungen an Barry Callebaut, an COGNITA oder Colosseum Dental Group.

Die Ernst Göhner Stiftung kommt auf ein (vorsichtig) geschätztes Vermögen von ebenfalls 7 Milliarden Franken. Darunter eine Beteiligung von 10.7% am dänischen Konzern DSV. Weitere Vermögenswerte sind gemäss Wikipedia-Auflistung: "Eine vollständige Tochtergesellschaft der Stiftung, die EGS Beteiligungen AG, ist seit 1988 mit 10 Prozent an der Wasserwerke Zug AG beteiligt, seit 2005 an der FAES AG in Wollerau, seit 2007 mit 40 Prozent am Optoelektronikhersteller CEDES Holding, seit 2009 mit 40 Prozent am Parkettbodenhersteller Bauwerk Parkett, seit 2010 mit 24 Prozent am Büromaterialhersteller Biella und war seit 2012 bis zum 2017 erfolgten Verkauf an die deutsche Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft mit 40 Prozent, zuletzt als Mehrheitsaktionär, am marktführenden Schweizer Elektrovelo-Hersteller BikeTec (Marke: Flyer) beteiligt. Beteiligungen werden auch an Huber+Suhner, der liechtensteinischen VP Bank und weiteren Firmen gehalten. Zudem besitzt die Stiftung mehr als 200 Immobilien und Beteiligungen an Immobiliengesellschaften, vorwiegend im Raum Zürich, aber auch im Ausland, die in der Tochtergesellschaft Seewarte Holding AG zusammengefasst sind." Quelle: Wikipedia.

Da die Beteiligung an DSV aktuell alleine 5.7 Milliarden Franken wert ist, kann es gut sein, dass die Ernst Göhner Stiftung eigentlich als wohlhabendste Stiftung geführt werden müsste.
Die Ernst Göhner Stiftung agiert mit ihren Investitionen und Beteiligungen frei und ist folglich auch nicht steuerbefreit, obwohl sie das für den gemeinnützigen Teil ihrer Tätigkeit durchaus beantragen könnte.

Die Stiftung Sandoz - Fondation de Famille hält über ihre Emasan AG 3.45% des Aktienkapitals von Novartis und somit über 6.6 Mrd. Franken gemäss aktuellem Kurs. Die Stiftung ist eine Familienstiftung (keine gemeinnützige Stiftung), engagiert sich aber auch in Bereichen wie Innovation, Wissenschaft, Kultur etc., weshalb sie hier aufgeführt wird. Eine Übersicht der verschiedenen Sandoz-Stiftungen ist hier vorzufinden.

Beispiele weiterer vermögender Stiftungen

Die Dr. Stephan à Porta - Stiftung wurde von Stephan à Porta gegründet. Er wurde am 24. April 1868 in Danzig geboren. Seine Eltern, Zuckerbäcker aus dem Unterengadin, waren in die Fremde gezogen und brachten es dort zu einem gewissen Wohlstand. Stephan à Porta wurde Rechtsanwalt und eröffnete in jungen Jahren eine eigene Kanzlei in Zürich. Angespornt durch den Bauboom kaufte er zusammen mit seinem Bruder 1892 einen Bauplatz in Zürich-Aussersihl und liess darauf drei Häuser erstellen, die er mit Gewinn verkaufte. Bis zum zweiten Weltkrieg erstellte Stephan à Porta einige hundert Häuser in der Stadt Zürich. Nach Ausbruch des Krieges entschloss er sich, den grössten Teil seines Privatvermögens – es handelt sich um 144 Häuser mit rund 1300 Wohnungen (der Versicherungswert der Liegenschaften beläuft sich auf 409 Millionen Franken (Stand Ende 2017)) – in eine Stiftung einzubringen. Mehr zur Dr. Stephan à Porta - Stiftung ist im Interview mit dem aktuellen Geschäftsführer, Armin Isler, zu erfahren.

Die Ethereum-Foundation, die inzwischen auch Vergabetätigkeiten aufgenommen hat, hält zum aktuellen Ethereum-Kurs mindestens 400 Mio. Franken an "Assets under Management" und gilt als Newcomer unter den vermögendsten Stiftungen.

Die Jakob und Emma Windler-Stiftung hält ein Vermögen, das insbesondere aus Novartis Aktien besteht. Diese alleine haben einen Wert von 600 Millionen Franken. Insgesamt beläuft sich das gesamte Vermögen auf 1.1 Milliarden Franken. Die Stiftung dokumentiert auf der Webseite ausführlich, wie das Vermögen der Stiftung zu Stande kam. Inhaltlich unterstützt die Stiftung Einzelpersonen, aber auch kulturelle Institutionen, Kleinbetriebe oder gemeinnützige Einrichtungen. Die Unterstützung der Jakob und Emma Windler-Stiftung ist auf den Kanton Schaffhausen und Stein am Rhein beschränkt. Die Stiftung kämpft zudem mit einem seltenen Problem. Sie hat mehr Geld als sie ausgeben kann. Sie hätte jährlich 35 Millionen Franken zur Verfügung, welche sie für den Stiftungszweck nutzen könnte. Im vergangenen Jahr wurden aber nur knapp 11 Millionen gesprochen. Um dieses Problem anzugehen, hat die Stiftung eine Transparenzoffensive gestartet. Es wurde eine Webseite erstellt und das Vermögen offen gelegt. Nun erhofft sich die Stiftung, dass mehr Förderanfragen aus Stein am Rhein und Schaffhausen eintreffen.

Die Kühne-Stiftung hält aktuell 4.7% an KÜHNE + NAGEL INTERNATIONAL und somit ein Aktienkapital von rund 1.5 Mrd. Franken. Die Stiftung realisierte im Jahr 2020 ein Fördervolumen von 30 Millionen Franken. Die Stiftung sagt über sich selber: Die Kühne-Stiftung arbeitet überwiegend als eine operative Stiftung. Sie verfolgt ihre Ziele weniger durch die Förderung Dritter, sondern setzt vor allem eigene Projekte und Programme auf, die sie, mitunter auch zusammen mit Partnerorganisationen, selbst steuert und umsetzt. Dieser Anspruch gilt besonders in den beiden grossen Förderschwerpunkten Logistik und Medizin. Die Kühne-Stiftung führt ihre Projekte in einem gestaltenden und nachhaltigen Anspruch sowie mit hohem Kostenbewusstsein und Budgettreue in schlanken Strukturen.

Die Leopold Bachmann Stiftung verfügt über ein breites Portefeuille an Wohnungen. Gemäss Medienberichten handelt es sich aktuell um mindestens 1700 Wohnungen. Der Marktwert dieser Anlagen dürfte auch nahe an die Marke einer Milliarde Franken kommen.
Leopold Bachmann wurde 1933 in Tirol geboren, ist Gründer sowie Ehrenpräsident der Leopold Bachmann Stiftung. Über den Stifter erzählt die Webseite der Stiftung Folgendes: In jungen Jahren zog es ihn in die Schweiz. Anfänglich als Ingenieur angestellt, führte sein Weg nach wenigen Jahren in die Selbstständigkeit als Bauherr. Effiziente Abläufe und standardisierte Bauweise positionierten seine Wohnbauten mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis in und um Zürich. 1997 brachte Leopold Bachmann einen Teil seiner Liegenschaften in die Leopold Bachmann Stiftung ein. Verankert in seiner eigenen Biografie, hatte Leopold Bachmann den Wunsch, Jugendlichen weltweit die Möglichkeit zu eröffnen, sich auszubilden und damit eine gute Zukunft zu erschaffen. Der Nettoertrag finanziert heute die Fördertätigkeit der Stiftung.

Die Metrohm-Stiftung hält die Metrohm Gruppe, deren Firmenwert nur schwer zu beziffern ist und gemäss Recherchen mindestens mehrere hundert Millionen Franken beträgt. Mehr über die Stiftung und Bertold Suhner ist hier zu erfahren.

Ursula Ströher Stiftung - Bei der Stifterin handelt es sich um eine Erbin des Wella-Konzerns. Die Stiftung hält gemäss Recherchen u.a. über das Family Office Univest diverse Immobilien im Raum Basel. Spätestens seit dem Verkauf der Wella-Aktienmehrheit an den US-Giganten Procter & Gamble für 6,6 Milliarden Euro im Jahr 2003, verfügten die Erbenfamilien Ströher und Pohl über grosse Mengen an Kapital. Und das investierte das Family Office, die Basler Univest, eben auch in Immobilien in Basel. (Quelle: bzbasel.ch)

Beispiele bedeutender Stiftungen mit regionaler Ausstrahlung

Die August Weidmann Fürsorge-Stiftung mit Domizil in Thalwil wurde 1930 mit einem Startkapital von 6.6 Millionen Franken gegründet. Während ihres Bestehens hat sie über 25 Millionen Franken ausgeschüttet. Sie unterstützt gemeinnützige Institutionen sowie Menschen in Notlagen im Kanton Zürich. Ihr gehören neben anderen Vermögenswerten Liegenschaften in der Region Thalwil, die auf der Webseite dokumentiert sind.

Die Paul Josef Jenni-Stiftung unterstützt mittels Ausbildungsbeiträge Arbeiter/innen oder Handwerker/innen in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Die Stiftung verfügt über ein ansehnliches Liegenschaftenportfolio, welches hier dokumentiert ist. Es handelt sich um 25 Liegenschaften, deren Erträge Vergabungen von rund einer Million Franken jährlich ermöglichen. Aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades der Stiftung sowie des eng umschriebenen Zweckes, erhält die Stiftung zu wenige Gesuche, die dem Stiftungszweck entsprechen (hier mehr dazu). Dem entgegenzuwirken hat die Stiftung verschiedene Massnahmen in die Wege geleitet.

Die Georg H. Endress Stiftung hält eine Beteiligung von 4% an der Firma Endress+Hauser, welche rund 3 Milliarden Franken Umsatz generiert und über 14000 Personen beschäftigt. Neben anderen gemeinnützigen Aktivitäten steht die Stiftung jungen Menschen beim Start in das Berufsleben zur Seite. Zudem engagiert sie sich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Region Basel.

Die Dätwyler Stiftung ist für den Kanton Uri nicht wegzudenken. Im vergangenen Jahr schüttete sie 1.8 Millionen Franken für Projekte in und um Uri aus. Die Stiftung befindet sich im Wachstum und verfügt gemäss eigenen Angaben über ein Vermögen, welches über all die Jahre gewachsen ist. Die Stiftung hat auch in die eigene Digitalisierung investiert. Das Gesuchsformular ist seither digital auf der Webseite auszufüllen.

Die Stiftung Baugarten Zürich schüttet im Schnitt jährlich um die 5 Millionen Franken an Fördergeldern aus. Davon über 80% in der Stadt Zürich. Baugarten Zürich unterstützt Projekte in den Bereichen Soziales, Kultur und Wissenschaft vorwiegend im Kanton und der Stadt Zürich. Auf der Webseite wird festgehalten: Das Immobilienvermögen aus Wohn- und gemischt genutzten Liegenschaften des Baugarten Zürich, das seit 1990 unter anderem als Einnahmequelle für die Fördermittel diente, wurde zunehmend unrentabel. Der beabsichtigte Investitionscharakter drohte verloren zu gehen – und damit auch die Mittel für die Vergabungen. Der Erlös aus dem Verkauf wurde auf die Stiftung übertragen. Damit setzte Baugarten Zürich ein klares Zeichen für die Förderpraxis und konzentrierte seine Kräfte auf den Stiftungszweck – ganz im Sinne der Gründer. Im Besitz verblieben die Geschäftsliegenschaften Bahnhofstrasse 3 sowie Fraumünsterstrasse 17 und 19.

Beispiele von bekannten Stiftern und ihren weniger bekannten Stiftungen

Der Self-Made Milliardär Willy Michel hat gemäss Forbes ein Vermögen von rund 2 Milliarden Franken. Die Stiftung Willy Michel setzt sich ein für die Erhaltung und Förderung des Werkes von Franz Gertsch und anderer Künstler in der Öffentlichkeit.

Die FREY CHARITABLE FOUNDATION (FCF) wurde gegründet vom Milliardären Rainer-Marc Frey. Die FCF ist unter dem unternehmerischen Leitgedanken aktiv, welcher für den Erfolg von Rainer-Marc Frey ausschlaggebend war. Die FCF unterstützt vor allem Unterprivilegierte dabei erfolgreich Verantwortung über ihr eigenes Leben zu übernehmen. Während FCF im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens in verschiedenen Ländern der Welt aktiv war, konzentriert sie sich seither vor allem auf Afrika und die Schweiz. In Afrika konzentriert sich FCF auf die Unterstützung herausragender sozialer Unternehmer in einer Vielzahl von Themenbereichen.

Die Guido Fluri-Stiftung ist von Guido Fluri gegründet worden, der über ein geschätztes Vermögen von 250 bis 300 Mio. Franken verfügt. Gemäss der Webseite engagiert sich die Stiftung wie folgt: "Alle von der Stiftung lancierten Projekte zielen darauf ab, die Lebens­situation von Betroffenen tiefgreifend zu verbessern: Familien stärken, damit Kinder in einem Zuhause ohne Gewalt aufwachsen. Transparenz und Fortschritt in der Medizin bewirken, damit Menschen mit einem seltenen Hirntumor bestmögliche Heilungs­chancen erhalten. Verständnis schaffen, damit Menschen mit Schizophrenie an unserer Gesellschaft teilhaben können."

Im Jahr werden rund 250-350 Stiftungen neu gegründet

Der Gründungstakt von neuen Stiftungen nimmt zu, obwohl auch Liquidationen in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Von der Bevölkerungsstruktur her ist davon auszugehen, dass viele kinderlose Babyboomer ihr Vermögen auf die eine oder andere Weise gemeinnützig verwenden werden. Entweder als eigene Stiftung oder als Legat/ Zustiftung bei bestehenden Einrichtungen. Der Stiftungssektor dürfte damit um viele interessante Stifter und Stifterinnen reicher werden.

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Publié dans Stifter/ Stifterinnen, Stiftungen Schweiz

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