Stiftungen Bertold Suhner
Der Schweizer Maschineningenieur Bertold Suhner legte während dem zweiten Weltkrieg den Grundstein für einen Schweizer Weltkonzern: Die Metrohm AG in Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden (AR). Der vielseitige Unternehmer Suhner hatte ein Herz für die Natur, Menschen und Tiere. Fundraiso beleuchtet die drei Suhner-Stiftungen und zeigt, welche Art von Projekten sie fördern.

In kaum einem Land der Welt gibt es so viele Stiftungen im Vergleich zur Bevölkerung wie in der Schweiz. Mit einer Stiftungsdichte von 15.6 Stiftungen auf 10‘000 Einwohner hat die Schweiz sechsmal mehr Stiftungen pro Kopf als die USA oder Deutschland. Das zeigen Zahlen von Swissfoundations, dem Verband gemeinnütziger Förderstiftungen in der Schweiz. Unter den Ostschweizer Kantonen weist der Kanton AR gemäss Stiftungsreport 2019 mit 112 Stiftungen eine vergleichsweise hohe Anzahl Stiftungen auf. Der kleine Kanton hat auch eine überdurchschnittliche Stiftungsdichte mit 20,3 Stiftungen auf 10'000 Einwohner. Bertold Suhner (1910–1988) aus Herisau AR gründete Zeit seines Lebens gerade drei Förderstiftungen.

Suhners Ziel: Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit

Die Basis für sein millionenschweres Stiftungsvermögen legte Suhner mit der Gründung seiner Metrohm AG mitten im Krieg im Jahr 1943. Zuvor war er einige Jahre im Familienbetrieb, der Suhner AG Herisau, tätig. Die Metrohm AG zählt heute zu den weltweit grössten Herstellern von Hochpräzisionsinstrumenten für die chemische Analytik und ist in über 80 Ländern aktiv. Der Schweizer Hersteller von Präzisionsgeräten beschäftigt rund 2’900 Personen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehreren hundert Millionen Franken. Firmengründer Bertold Suhners Beruf war die Technik, seine Leidenschaft die Naturwissenschaften. Der Sohn eines Herisauer Industriellen malte Landschaftsbilder und spielte Orgel. Seine Hausorgel stand in seinem Ferienhaus in Sils Maria. Es war Suhner ein Anliegen mit seinem Geld jene Bestrebungen zu unterstützen, welche der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit dienen.

Stiftung Nummer 1: Die «Bertold Suhner Stiftung»

Im Jahre 1968 gründete Bertold Suhner seine erste Förderstiftung: Die «Bertold-Suhner-Stiftung». Sonja Strauch leitet die Geschäftsstelle der Stiftung in Schachen bei Herisau und ist für die administrative Abwicklung der eingehenden Gesuche sowie die Finanzbuchhaltung zuständig. Präsidiert wird die Stiftung vom Herisauer Anwalt Jürg Wernli. Die Stiftung bezweckt die Förderung von nicht gewinnorientierten Bestrebungen, die im öffentlichen Interesse liegen und dem Kanton AR bzw. seiner Bevölkerung dienen. Wissenschaftliche, geistige, kulturelle, soziale und gemeinnützige Belange können ebenso unterstützt werden wie Vorhaben des Natur-, Landschafts- und Heimatschutzes sowie Massnahmen zur Erhaltung angestammten Kulturgutes oder zur Verbesserung der volkswirtschaftlichen Struktur. Auf der Website finden sich keine Beschriebe von geförderten Projekten. Die Stiftung beantwortete auch keine Fragen von Fundraiso. Gemäss einem älteren Bericht unterstützt die Stiftung auch «wenig bekannte Kulturschaffende» und hat in der Vergangenheit zum Beispiel dem Verein «Tischlein deck dich» finanziell unter die Arme gegriffen. «Tischlein deck dich» rettet Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilt sie an armutsbetroffene Menschen.

Stiftung Nummer 2: Die «Dr. Bertold Suhner-Stiftung»

Mit zunehmendem Alter machte Bertold Suhner die Zerstörung des natürlichen Lebensraums von Menschen und Tieren Sorgen. Der Unternehmer errichtete daher seine zweite Stiftung: Die Dr. Bertold Suhner-Stiftung (BSS) mit Sitz in St. Gallen. Ihr Zweck ist die Förderung des Natur-, Tier- und Landschaftsschutzes, vornehmlich in der Schweiz. Bertold Suhner äufnete ursprünglich mit einem Legat das Stiftungsvermögen der BSS mit über 10 Millionen Franken. Per Ende 2019 verfügte die BSS trotz zahlreicher Vergabungen über ein Stiftungsvermögen von 20 Millionen Franken. Ein Schwerpunkt der Stiftungstätigkeit liegt in der Ostschweiz. Die Anforderungen der Stiftungen sind auf der Website klar definiert. Amtierender Geschäftsführer der Stiftung ist Ignaz Hugentobler aus Altstätten SG. Er prüft eintreffende Gesuche und begleitet unterstützte Projekte. Die durchschnittliche Fördersumme betrug im Jahr 2019 20'000 Franken. Ignaz Hugentobler sagt: «Gesuche, welche dem Stiftungszweck entsprechen und umsetzungsorientiert sind, haben die besten Erfolgsaussichten.» Von rund 70 bis 80 Fördergesuchen pro Jahr werden gemäss Hugentobler «20 Prozent gutgeheissen».

Die BSS hat zahlreiche Projekte im Natur-, Tier- und Landschaftsschutz unterstützt. Ein Förderprojekt war zum Beispiel die Unterstützung der Schweizer Luchspopulation. Mit Hilfe der BSS führte die Koordinationsstelle Raubtiere (KORA) mehrere Projekte zur Förderung der Schweizer Luchspopulationen durch. Die Stiftung unterstützte auch Massnahmen der Vogelwarte Sempach zur Förderung des Kiebitzes in der Schweiz.

Stiftung Nummer 3: Die «Metrohm-Stiftung»

Metrohm-Gründer Bertold Suhner trat 1982 als Geschäftsführer der Metrohm AG zurück. Sein Aktienkapital brachte der kinderlose Suhner zusammen mit den Geschäftspartnern Hans Winzeler und Lorenz Kuhn in eine dritte Stiftung ein: Die Metrohm-Stiftung. Damit wollte der Unternehmer verhindern, dass sein Lebenswerk verkauft wird. Die Metrohm AG gehört somit der Metrohm-Stiftung. Sie ist eine Unternehmensstiftung, die Mehrheitsbeteiligungen an verschiedenen Unternehmen hält. Das Stiftungsvermögen wird durch Gewinnausschüttungen der Metrohm AG geäufnet. Die gemeinnützige Tätigkeit der Metrohm Stiftung ist auf die Ostschweiz ausgerichtet mit Schwerpunkt auf den Kantonen AR/AI und St. Gallen. Die Stiftung fördert zum Beispiel Schüler in Naturwissenschaften und unterstützt gemeinnützige Zwecke. Ein grosses Bildungsprojekt war die Einführung von Informatik-Unterricht im Gymnasium Trogen. Über mehrere Jahre hat die Schule insgesamt 3,6 Millionen Schweizer Franken erhalten.

«Grosses Engagement in der Bildung und Begabtenförderung»

Der amtierende Metrohm-Stiftungspräsident Bruno Winterhalter will keine finanziellen Details über die Stiftung verraten. Was im Gespräch immerhin klar wird: «Rund die Hälfte aller Gesuche wird bewilligt.» Willy Hartmann, bis 2018 Präsident der Metrohm-Stiftung, habe die immer noch geltende Vergabephilosophie wie folgt gut auf den Punkt gebracht: «Wir unterstützen lieber direkt, handfest und vor Ort, als dass das Geld in grossen Event-Anlässen mit viel Bürokratie versickert. Lieber zahlen wir einen Solisten, beteiligen uns an der Finanzierung einer Theateraufführung oder unterstützen einen Verein oder eine Jugendorganisation. Die Jugend ist die Zukunft der Schweiz – darum auch das grosse Engagement in der Bildung und Förderung begabter Schülerinnen und Schüler.»

Begabt war auch ETH-Absolvent Bertold Suhner. 1984, im Alter von 74 Jahren, promovierte Bertold Suhner mit seiner Dissertation «Zur Anwendung der Infrarot-Spektroskopie in der Mineralogie» zum Dr. phil. an der Universität Basel. Suhner verstarb am 26. April 1988 im Alter von 78 Jahren. Sein Name und sein Wille leben in seinen Stiftungen weiter.

Bernhard Bircher-Suits, FundCom AG Veröffentlicht unter Fundraising, Gastbeiträge

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